Straftaten von jungen Menschen schaffen es regelmäßig in die Nachrichten. Sowohl Täterinnen und Täter, als auch ihre jungen Opfer sind oft in wechselnden Rollen in der eigenen Praxis von Erziehenden zu finden. Der Abschlussjahrgang BK38 besuchte dieses Seminar von Herrn Wunder. Es sucht geordnetes Praxiswissen im Umgang mit dem Thema zu vermitteln und das sehr differenzierte Arbeitsfeld zu erkunden. Warum unter 14-Jährigen besser mit Jugendhilfe Leistungen, als mit dem Strafrecht geholfen wird, wurde deutlich. Ebenso, wie dass die Pubertät eine große Herausforderung für alle Jugendliche bedeutet und großen Einfluss auf das Legalverhalten haben kann. Selbst 18- bis 21-Jährige verdienen meist noch den Schutz des Jugendstrafrechts, welches ein Sonder- und Erziehungsstrafrecht in Deutschland ist. Das ausdifferenzierte „Arsenal“ von Erziehungsmaßregeln und Zuchtmitteln wurde hierzu dargestellt und in seinen Funktionen erklärt.
Wie es in anderen Ländern aussieht mit dem Umgang mit straffälligen jungen Menschen wurde beispielhaft an verschiedenen Ländern in Kleingruppenarbeiten untersucht. Haftalternativen sowohl in der Region als auch bundesweit wurden erkundet und mit ihrem Angebot präsentiert.
Doch auch die Opferperspektive kam nicht zu kurz – ein Referat zum „Weißen Ring“ gab Auskunft darüber, wieso Opfer oft auf ehrenamtliche Hilfe verwiesen sind, während die Begleitung und Rehabilitation von Straftätern und -täterinnen der Gesellschaft teuer sind.
Wie komplex die Behandlung eines mehrfach traumatisierten zehnjährigen Opfers in Tätergestalt sein kann, wurde in einer Analyse des kanadischen Films „10 1/2“ erkundet: Ausgewiesene Fachleute verschiedenster Provenienz drohten an der Schwierigkeit des Falles zu scheitern, trotz des Settings in einem Hochsicherheitstrakt eines geschlossenen Heimes. Die anschließende Fachdiskussion erwies sich als Demonstration von akkumuliertem Wissen der kurz vor dem Ausbildungsabschluss befindlichen Kursteilnehmenden. Das Betrachtete konnte zutreffend fachlich korrekt analysiert werden, Handlungsfehler sowohl in Hilfestrukturen, als auch in den Prozessen im Film identifiziert werden und mit Vorschlägen zur Optimierung versehen werden.
Die Kursteilnehmenden übernahmen sodann mit einer Vielzahl von Themen die inhaltliche Gestaltung des weiteren Seminars und erarbeiteten in folgenden Bereichen Präsentationen, einen Film und zur Ergebnissicherung auch „Handouts“:
- Sextortion – Erpressung im Internet
- Secure Schools UK – Geschlossene Heimschulen als Haftalternative
- Projekt Chance in Creglingen – In Freiheit hart an sich arbeiten statt in Haft sitzen
- Die U-Haft Vermeidung in Schloss Stutensee
- Häuser des Jugendrechts und der Weiße Ring
- Das Augustinusheim in Ettlingen – Intensivgruppen für sexuell auffällige Kinder
- Boxcamps – Wie arbeiten sie und können sie präventiv wirken gegen Gewalt?
- Anti Gewalt Training im Gefängnis
- Strassensozialarbeit und ihre präventive Wirkung
- Die Pädagogik Makarenkos und ihre Bedeutung heute
- Deutschlands modernstes Jugendgefängnis in Hamburg
Das Arbeitsfeld Jugenddelinquenz wurde abschließend als spannend und sehr vielfältig in seinen Interventionen erkannt.
